Kultur AG

Wenn Worte töten können – Shakespeares „Richard III.“ live im Schauspiel Frankfurt

Als Herr Brasch im September 2002 mit seiner ersten Kultur-Exkursion in die Oper nach Frankfurt startete, Verdis „Nabucco“, konnte wohl keiner ahnen, wie gut dieses Projekt bei Schülern, besonders denen der Jahrgangsstufen 8 bis 13 ankommen würde. Und heute, knapp 16 Jahre nach dem ersten Besuch fahren immer noch an rund 20 bis 25 Terminen im Jahr begeisterte Schüler mit, um sich die verschiedensten Stücke anzusehen, Musik- und Sprechtheater: Oper und Drama.

Als Herr Brasch uns in der achten Klasse, also nun vor 2½ Jahren, das erste Mal fragte, ob wir mit in Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ fahren wollten, lag erst mal Verwunderung in der Luft. Was sollten wir als Schüler der 8. Klasse denn in einer Oper und dann abends durch Frankfurt laufen? Doch all die Zweifel waren unbegründet, und der erste Besuch war für alle ein unvergessliches Erlebnis; denn seit die anfängliche Scheu überwunden wurde, möchte heute keiner mehr die regelmäßigen Aufführungen missen. Da diese meist am frühen Abend beginnen, lässt es sich meist mit einem entspannten Nachmittag in Frankfurts Innenstadt verbinden, um dann mit vollem Elan und Höchstkonzentration in die jeweilige Aufführung zu gehen. Mithilfe einer Zusammenfassung und anderer von Herrn Brasch gelieferten Materialien und Informationen kann sich jeder Schüler über Handlung und Inszenierung schon im Voraus einlesen, und so entstehen hoffentlich keine Verwirrungen während der Vorstellungen. Und falls doch, wird in den Pausen meist über die Stücke diskutiert und es werden Fragen gestellt. Dies geschieht nicht immer nur in Schülergruppen, auch Herr Brasch und andere Lehrer, die manchmal mitfahren, lassen sich gerne darauf ein.

Und wer jetzt an Oper und Theater denkt, wo man bloß mehrere Stunden lang auf seinem Platz sitzt und Schauspielern und Sängern zuhört, der liegt weit daneben! Im Herbst 2017 waren wir in der Aufführung von Shakespeares Königsdrama „Richard III.“ –  und dieses Stück war mal eine ganz andere Inszenierung! Wir saßen auf Stühlen, die wie eine Environmental Bühne angeordnet waren, und der Mittelpunkt des Schauspiels war auf einer freien Fläche zwischen den Zuschauern positioniert: Arenagefühl! Vorher musste man durch einen Gang mit viel Technik gehen und konnte so auch mal einen kleinen Blick hinter die Kulissen werfen. Und, wenn man dann plötzlich neben sich jemanden reden hört, darf man sich nicht zu sehr erschrecken, denn teilweise sitzen die Schauspieler auch mit im Publikum und lassen so die gesamte Aufführung lebendiger erscheinen. Und mithilfe von kleinen Hinweisen, zum Beispiel Striche auf Wänden, kann man selbst gut mitdenken, was passieren könnte und sich trotzdem überraschen lassen. Nebelmaschinen, fahrbare Konstruktionen und Schauspieler, die sich zwischen die Zuschauer mogeln, zeigen, dass Oper und Theater viel mehr sind als nur langweiliges Sitzen und dem Zuhören einer oder mehrerer Person(en). Wenn dann die Stücke vorbei sind und wir Richtung Bahnhof gehen, sind wir nicht allein, denn „Papa Brasch“ ist dabei und gibt Acht, dass nichts passiert.

So kann man also zeigen, dass Oper und Theater viel mehr sind als nur Veranstaltungen, in denen Männer in Anzügen und Frauen in schicken Kleidern die Gäste sind und, dass wir, als Schüler, die Opern und Theaterhäuser genauso besuchen können: als die Zuschauer von heute und von morgen!

Jessica Richter, E02 (im März 2018)